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9. Die Grafschaft Mansfeld im Bauernkrieg

Die Grafen von Mansfeld gehörten zu den ältesten deutschen Adelsgeschlechtern. Ihre Besitzungen lagen im nördlichen Teil des Hassegaus, am östlichen Rand des Harzes. Das Mansfelder Grafengeschlecht zeichnete sich durch besonderen Kinderreichtum aus, was zwangsläufig zu einer weiten Verzweigung der Familienlinien führte. So entstanden aber auch verwandtschaftlichen Beziehungen mit zahlreichen einflussreichen Geschlechtern: Grafen von Stolberg und Wernigerode, Herzöge von Braunschweig, Württemberg und Holstein, Fürsten von Anhalt, Markgrafen von Brandenburg, Grafen von Blankenburg und von Schwarzburg und sogar zum dänischen Königshaus.

Zahlreiche Vertreter dieses Geschlechtes waren zudem sehr geschäftstüchtig und vergrößerten durch Zukäufe ständig das Territorium der Grafschaft. Hinzu kam der Reichtum an Kupfer- und Silbererzen in der Grafschaft, die einen wirtschaftlichen Aufschwung besonders im 14.-15. Jahrhundert mit sich brachten. Das Erstarken der Wirtschaft (Bergbau, Hüttenwesen und Handel) sowie die Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft weckten schon bald Begierden bei den Nachbarn, besonders bei Magdeburg, Halberstadt, Halle und bei den wettinischen Sachsen. Der Kinderreichtum der Mansfelder wirkte sich auch negativ aus. Die zu vererbenden Güter mussten immer wieder geteilt werden, was sich zunehmend zu Ungunsten gräflicher Machtfülle in örtlicher und staatspolitischer Hinsicht auswirkte. Die erste Aufspaltung des Geschlechts in drei Linien fand nach dem Tod von Volrad III. im Jahre 1501 statt: Mansfeld-Vorderort, -Mittelort und -Hinterort. Durch deren gemeinschaftliche Herrschaft über die Grafschaft, oft verbunden mit innerfamiliären Richtungsstreitigkeiten sowohl in rechtlicher, wirtschaftlicher als auch religiöser Hinsicht, verbunden mit enormen Kosten für die Unterhaltung der Familien, wurde das Leben der einfachen Leute in der Grafschaft sehr belastet. Nur die Städte Eisleben, Mansfeld und Hettstedt wurden gemeinsam verwaltet, was aber besonders die Abgabenlast der Plebejer ins uferlose trieb.

Im Jahr 1525 gab es fünf Mansfelder Grafen. Davon waren die Mittelort- und Hinterort-Linien von Albrecht VII. und Gebhard VII. Anhänger von Martin Luther; ersterer sogar sein Gönner, Förderer und Freund vom Reformator. Die anderen drei Grafen dagegen, besonders die der Vorderort-Linie, waren keine Luther-Freunde, Graf Ernst und Graf Hoyer VI. waren sogar leidenschaftliche Hasser des Reformators sowie auch aller anderen geistlichen und weltlichen Neuerungen. Sie blieben weiterhin dem katholischen Glauben treu.

Aber auch Thomas Müntzer war in der Mansfelder Grafschaft zuhause. Und seit dem Jahr 1523 wurden dessen Lehren in der Grafschaft verbreitet, zahlreiche Mansfelder hatten seine zahlreichen Predigten in Allstedt gehört. Besonders Graf Albrecht soll den Lehren von Müntzer sehr offen gegenüber gestanden haben. Als glühende Verfechter des protestantischen Glaubens führten Graf Albrecht und sein Sohn Jobst im Jahre 1525 in ihren Besitzungen und Einflussgebieten bereits diese Lehre ein. Dennoch behandelten sie ihre Untertanen nicht besser oder schlechter, als dies ihre katholischen Verwandten taten und diese Behandlung entsprach wenig den christlichen Grundsätzen.

Als allerdings die ersten Schlachten im Südwesten Deutschlands geschlagen wurden und sich in der Harzregion die ersten Bauern zu sammelten, begannen sich die Mansfelder Grafen schnell von Müntzers Lehren zu distanzieren. Mehr noch, sie konnten Luther überzeugen ihnen Hilfestellung zu leisten. In seiner Schrift „Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauern“ wollte dieser dem Aufstand vorbeugen. Außerdem hielt er unter anderem in Stolberg, Wallhausen, Nordhausen, Allstedt und Sangerhausen Predigten gegen die aufständischen Bauern. Die Mansfelder Grafen, auch die katholischen, erhofften sich von ihm eine Beschwichtigung ihrer aufgebrachten Untertanen. Auch erhofften sich die Landesherren von Luther eine Verteidigung ihrer territorialen Unabhängigkeit gegen alle Bestrebungen einer Zentralisierung der Reichsgewalt durch den Kaiser. Die Kirchenfürsten von Mainz, Magdeburg und Halberstadt ließen sich in dieser angespannten Situation sogar dazu herab, dem vogelfreien und gebannten Ketzer Martin Luther im Juni 1525 ein nachträgliches Hochzeitsgeschenk von 50 Gulden überreichen zu lassen. Der Reformator hatte zuvor die aus einem Kloster geflohene Nonne Katharina von Bora geehelicht.

Die Gefahr durch die aufständischen Bauern muss wohl von den Grundherren als recht erheblich angesehen worden sein. Anders ist deren Verhalten gegenüber Luther nicht erklärbar, denn der Reformator kritisierte in seiner Schrift nicht nur die Bauern. Schon in der Einleitung machte er die weltlichen und geistlichen Herren für die Aufstände verantwortlich. Dann aber wandte er sich auch gegen die Bauern: „Dass die Obrigkeit böse und ungerecht ist, entschuldigt keine Zusammenrottung und Aufruhr; denn die Bosheit zu strafen gebührt nicht einem jeden, sondern der weltlichen Obrigkeit.“. Auch lehnte Luther in seiner Schrift die Bauernartikel ab, da sie sich in keinem einzigen Stück auf das Evangelium berufen und stützen könnten, wie er meinte. So lehnte er auch die Abschaffung der Leibeigenschaft ab, „weil Abraham und andere Patriarchen und Propheten auch Leibeigene gehabt haben“ und somit Leibeigenschaft für alle Zeit legalisiert sei.
Doch bereits während Luthers Predigtreise hatten sich ab dem 24. April 1525 aufständische Bauernhaufen gebildet und diese hatten mit ihren Aktionen gegen die Klöster der Harzregion begonnen. Die Grafen schritten nicht ein und suchten auch keine offene Konfrontation. Sie zogen sich auf ihre Burgen zurück!

Thomas Müntzer hatte zu jener Zeit alles versucht, die Massen für den bewaffneten Kampf zu mobilisieren. Insbesondere hatte er gehofft, die Berg- und Hüttenmänner sowie die kleinbürgerlichen Schichten der Städte mobilisieren zu können, was ihm aber nicht wirklich gelang.
Graf Albrecht unternahm bis zum 4. Mai keine Aktionen gegen die Aufständischen. Er versuchte nur sie zu beschwichtigen, ohne Zugeständnisse zu machen. An diesem Tag erhielt er von seinem Freund Luther die Mahnung, „er möge nicht weich werden, sondern das Schwert ziehen“. Graf Albrecht folgte dieser Aufforderung sofort. Er überfiel mit seinen Reisigen einen beim Dorf Osterhausen versammelten Bauernhaufen, tötete 70 der Aufständischen und brannte das Dorf nieder. Osterhausen hatte die 12 Bauernartikel angenommen und die Belastungen der Grundherren aufgekündigt.

Daraufhin wurden in den nächsten Tagen von den Aufständischen alle Klöster der Grafschaft eingenommen, ausgeraubt und die Mönche und Nonnen verjagt. Fast vollständig zerstört wurden die Klöster Holzzelle und Neu-Helfta. Teilweise zerstört wurden: Wimmelburg, Mansfeld, Hettstedt, Gerbstedt, Wiederstedt, Walbeck und Hedersleben. An die Burgen der Grafschaft wagten sich die Aufständischen indes nicht heran.

Dies erwies sich als schwerwiegender Fehler, besonders hinsichtlich der Burg Heldrungen. Diese mächtige Festung lag nur etwa 15 km von dem von Thomas Müntzer vorgesehenen Kampfplatz bei Frankenhausen entfernt. Diese mächtige Wasserburg war erst 1512 - 1517 aufwendig ausgebaut worden und verfügte über eine mächtige Wall-Graben-Anlage sowie 12 größere und kleinere Geschütze. Diese Festung bot Platz für ein ganzes Kriegsheer. Die Kellergewölbe allein sollen Platz für mehrere Tausend Landsknechte gehabt haben. Somit war der Besitz dieser Burg von großer Bedeutung für den Verlauf des Harzer Bauernkriegs. Graf Ernst war schon bei den ersten Anzeichen des drohenden Aufstandes in die Burg Heldrungen eingezogen. Dann hatte er alle verfügbaren Landsknechte dort zusammen gezogen und auch viele seiner Junker folgten ihm.

Dann, als die ersten Übergriffe der Aufständischen erfolgten, fühlte er sich nicht mehr sicher und bat die anderen 4 Grafen von Mansfeld sowie Herzog Georg von Sachsen-Meißen um Unterstützung und Hilfe. Auch beobachtete Graf Ernst das sich langsam bei Frankenhausen sammelnde Bauernheer ganz genau. Seine Schätzungen über die Stärke des Bauernheeres waren allerdings mit 20 000 Mann stark übertrieben. Der Herzog konnte oder wollte nicht helfen, er hatte genug eigene Probleme. Auch seine Verwandten, die anderen Mansfelder Grafen, kamen ihm nicht zu Hilfe. Tatenlos musste er von der Festung aus mit ansehen und geschehen lassen, wie die Aufständischen die Klöster der Umgebung stürmten, plünderten und letztendlich niederbrannten: Kaltenborn, Oldisleben, Donndorf, Roßleben, Memleben, und Reinsdorf. Aber ganz untätig blieb Graf Ernst dennoch nicht. Kleinere Bauernhaufen, die sich der Festung näherten, ließ er angreifen und niedermachen. Und auch die Nachbardörfer, deren Bewohner sich mit den Aufständischen verbündet hatten, wurden von seinen Landsknechten ausgeraubt.

Dann erhielt Herzog Georg die Nachricht, dass sich sein Schwiegersohn, der Landgraf Philipp von Hessen, mit einer Streitmacht von 4 000 Mann nach Frankenhausen aufgemacht hatte, um in der Festung Heldrungen Quartier zu nehmen. Dieses Hessische Heer näherte sich über Eisenach dem Kampfgeschehen. Diese Nachricht veranlasste den Herzog am 11.Mai 1525 mit seinen Truppen von Leipzig aufzubrechen. Am 14. Mai erreichte er Heldrungen und erfuhr dort, dass Landgraf Philipp und Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig bereits mit der Einschließung des Bauernheeres begonnen hatten. Nun fassten die Mansfelder Grafen Mut und schlossen sich mit ihren bewaffneten Kräften Herzog Georg an.

Thomas Müntzer, als Kopf und Anführer der Harzer Bauern, war sich der Bedeutung der Burg Heldrungen durchaus bewusst. Er hatte darum im April versucht einige Bauerhaufen zum Vorgehen gegen die Burg zu bewegen, allerdings ohne Erfolg. Als Müntzer dann am 12. Mai von Mühlhausen her in dem Bauernlager eintraf, erkannte er, dass es nun für solche Aktionen bereits zu spät war. Wütend, aber siegeszuversichtlich schrieb er am gleichen Tag dem Mansfelder Grafen Ernst einen Brief: „das du deinem tyrannischem Wütens wollest müßig sein …   … siehe an, du elender, du dürftiger Madensack, wer hat dich zum Fürsten des Volkes gemacht?“. Graf Ernst, der sich nach Vorstellung Müntzers den Aufständischen stellen sollte, harrte aber lieber auf seiner Burg aus, wohl wissend, dass bald kampferprobte Hilfe nahte.

Erneut bediente sich Graf Albrecht von Mansfeld seines Freundes Martin Luther. Der verfasste auf der Seeburg bei Eisleben erneut eine Schrift, mit der er die Aufständischen, wohl aber besonders deren Sympathisanten, zur Umkehr bewegen wollte: „Wider der reuberischen und mordischen Rotten der Bauern“. In seiner Schrift hieß es weiter:“ Darum sollt hier zuschlagen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann.“

Es half alles nichts – die Gräben waren einfach zu tief und der Hass zu groß. So kam es zu der Schlacht bei Frankenhausen, die wohl weniger eine Schlacht als eine Schlachtung war. Die Aufständischen waren einfach zu schlecht ausgerüstete, zu unerfahren und es fehlte ihnen wohl auch an militärischer Führung – es kam zu einer vernichtenden Niederlage des Bauernheeres. Und noch wochenlang nach der Schlacht wurden in der Grafschaft Mansfeld Bluturteile wegen Beteiligung am Bauernaufstand gesprochen, verhängt und vollstreckt.

Weitere Informationen: Thomas Müntzer,
Panoramamuseum Bad Frankenhausen

> 1. Ursachen und Umfeld
> 2. Das Harzgebiet im Deutschen Bauernkrieg
> 3. Die territoriale Zersplitterung der Harzregion
> 4. Die Situation der Bauernschaft
> 5. Die Städte der Harzregion
> 6. Der Bergbau und das Hüttenwesen
> 7. Die Rolle der Kirche im Bauenrkrieg
> 8. Harzer Klöster im Bauernkrieg
> 9. Die Grafschaft Mansfeld im Bauernkrieg
> 10. Die sächsischen Ämter Sangerhausen und Salza
> 11. Die Grafschaft Stolberg im Bauernkrieg
> 12. Die Grafschaft Hohnstein im Bauernkrieg
> 13. Das Reichsstift Walkenried im Bauernkrieg
> 14. Die Grafschaft Schwarzburg im Bauernkrieg
> 15. Die Herrschaft Wernigerode im Bauernkrieg
> 16. Die Grafschaft Blankenburg im Bauernkrieg
> 17. Die Grafschaft Anhalt-Ballenstedt im Bauernkrieg
> 18. Das Fürstbistum Halberstadt im Bauernkrieg
> 19. Goslar im Bauernkrieg
> 20. Allstedt im Bauernkrieg

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2013

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